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Motorreinigung

Viele Loks kommen völlig verölt bei uns Modellbahnern an. Da sie eine lange Reise in ihren Schachteln liegend hinter sich haben, verteilt sich die Suppe gerne in der ganzen Lok. Auch der Motor bleibt davon nicht verschont. Nun ist es mit dem Öl aber so, dass es an der richtigen Stelle perfekt seinen Dienst verrichtet, aber an anderen völlig unnütz, sogar schädlich ist. Das beste Beispiel ist der Motor. Die Lager sollten niemals völlig trocken laufen, Kollektor und Kohlen aber unbedingt. Denn Öl in den Kohlen macht sie weich, sie erzeugen mehr Abrieb und die Öl-Kohle-Pampe verschmiert die Spalten des Kollektors, was zu Kurzschlüssen führen kann. Analog macht sich das in einem erhöhten Strombedarf bemerkbar, digital kann es im schlimmsten Fall den Decoder kosten.

Aus diesem Grund sollte mindestens beim Digitalisieren der Motor gereinigt werden. Besonders betroffen sind Fleischmann-Motoren, weswegen ich einen solchen für unser Beispiel ausgesucht habe. Aber auch bei den anderen Herstellern tritt das immer mal wieder auf.

Nicht betroffen sind beispielsweise Glockenankermotoren und auch bei den gekapselten Motoren, die z.B. Fleischmann in letzter Zeit immer wieder einsetzt, ist die Reinigung nicht nötig - und auch nicht möglich.

Vorbereitung

Zuerst wird der Motor aus der Lok ausgebaut. Die Kohlenhalter sind bei den allermeisten Motoren nur eingesteckt, selten auch mal geschraubt. Sie werden vorsichtig mit einem kleinen Schraubenzieher aus ihrem Sitz gehebelt. Passt bitte unbedingt auf, dass die kleinen Federn nicht davonschnipsen. Die Chancen sie wiederzufinden sind denkbar gering. Die einzelnen Teile sollten in eine kleine Schachtel gelegt werden, sie kullern sonst schnell mal auf Nimmerwiedersehen vom Tisch. Hier eignen sich z.B. hervorragend die Decoderschachteln von Tran oder Zimo - also nicht wegwerfen ;)

Kohlen "ausglühen"

Um das in den Kohlen gebundene Öl loszuwerden, machen wir es uns ganz einfach: Wir erhitzen sie mit dem Lötkolben und verwandeln sie so in kleine Dampfgeneratoren. Hierfür eignet sich besonders ein Lötkolben mit einer breiten Spitze.

Ich lege die Kohlen dazu auf ein Stück Küchenpapier und halte den Lötkolben mit sanftem Druck darauf. Es wird fast sofort anfangen zu qualmen, wenn viel Öl in der Kohle ist, sieht man es auch blubbern. Das Küchenpapier saugt das austretende Öl auf, der Rest verdampft. Rollt man die Kohle ein bisschen hin und her, sollte das Küchenpapier sauber bleiben. Solange es sich nöch ölig braun färbt, muss man noch ein bisschen warten. Danach legt man die Kohle mit einer Pinzette (!) beiseite und nimmt sich die zweite vor. Passt bitte insbesondere beim Rollen auf, dass die Kohle nicht davonschnipst!

Alternativ kann man auch einen Tropfen Lötzinn auf den Kolben geben und die Kohle mit der Pinzette hineinlegen. Bei mir funktioniert das leider nicht so richtig, das Zinn stößt die Kohle regelrecht ab und sie kullert von der Spitze. Da ich ausschließlich mit bleifreiem Lot arbeite, liegt es möglicherweise daran. Versucht es ruhig mal.

Kollektor reinigen

Um den Kollektor vom Dreck zu befreien, wickle ich ein Stück Zellstoff (vom Papiertaschentuch oder Küchenkrepp) um einen Zahnstocher, so dass das Papier vorn ein bisschen übersteht. Wickelt nicht zu viel drum, damit das Ganze noch in die Fensterchen des Motors passt. Ein paar Tropfen Feuerzeugbenzin auf dem Zellstoff sorgen für die Reinigungswirkung und lösen den Abrieb.

Sucht euch jetzt eins der Fensterchen oder einen der Kohlenschächte, durch die der Kollektor zu sehen ist, und schiebt den Zahnstocher hinein. Nicht zu viel Druck geben, damit nichts kaputt geht! Es genügt, wenn das Papier über den Kollektor schleift. Dreht jetzt vorsichtig den Motor. Je nach Verschmutzungsgrad muss dieser Vorgang evtl. mehrmals wiederholt werden.

Kohlenschächte nicht vergessen!

Da die Kohlen sich nicht gleich wieder vollsaugen sollen, darf man natürlich die Schächte und die Kohlenhalter nicht vergessen. Diese werden ebenfalls mit der Zahnstocher-Zellstoff-Methode gesäubert. Auch dort kann sich sehr viel Dreck absetzen. Geht zum Abschluss am besten nochmal über den Kollektor, falls aus den Kohlenschächten wieder etwas da drauf gelangt sein sollte.

Nachdem die Kohlen abgekühlt und der Motor getrocknet ist, kann alles wieder zusammengesetzt werden.

Wie immer gilt: Nachmachen auf eigene Gefahr! Viel Erfolg und viel Spaß mit dem "neuen" alten Motor.

Autor: Carsten
Schwierigkeitsgrad: Niedrig

Materialien:

Kohlen ausgebautKohlen ausgebaut

Kohlen ausglühenKohlen ausglühen

Kollektor reinigenKollektor reinigen

Sauberer MotorSauberer Motor