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Mehrfachtraktionen auf der Modellbahn

Ein sehr interessantes und oft nachgefragtes Thema sind auf der Modellbahn Doppel- bzw. Mehrfachtraktionen. Glücklicherweise gibt es mehrere Wege um hier ans Ziel zu kommen, so dass mit nahezu jeder Ausstattung mehrere Loks gemeinsam gesteuert werden können. Auf dieser Seite möchte ich die verschiedenen Varianten vorstellen und deren Vor- und Nachteile erläutern.

Variante 1: Mehrfachtraktion per Decoder

Die Notwendigkeit, Mehrfachtraktionen bilden zu können wurde früh erkannt. Speziell bei amerikanischen Bahnen sind sie ja eher die Regel als die Ausnahme. Daher bieten alle modernen DCC-Decoder diese Möglichkeit an. Die entsprechenden CVs und deren Verhalten sind großteils genormt, man kann also die Vorgehensweise auf verschiedene Decoder-Hersteller anwenden. Die Technik funktioniert so, dass die Decoder eine spezielle Adresse für Fahrbefehle erhalten und alle Loks in der Traktion die Befehle an diese Adresse empfangen und ausführen.

Hinweis: Um die Mehrfachtraktion nutzen zu können, sollten die Loks möglichst synchron laufen. Auch gleiche Modelle vom selben Hersteller können teils erhebliche Abweichungen zeigen, daher muss das vorher geprüft und die Loks ggf. entsprechend eingestellt werden. Hierzu dienen die CVs 2, 3, 4, 5 und 6, evtl. muss aber sogar auf die erweiterte Kennlinie zurückgegriffen werden.

Mehrfachtraktionen werden über das Schreiben von CV 19 gebildet und aufgelöst. Diese CV lässt sich auch per POM (Hauptgleisprogrammierung) ändern, so dass die Loks nicht erst auf ein Programmiergleis gefahren werden müssen. Standardmäßig ist der Wert von CV 19 = 0. Sobald die CV auf einen Wert größer 0 gesetzt wird, wird die Traktion aktiviert.

Mit CV 19 wird dem Decoder für die Traktion eine zweite kurze Adresse gegeben. Über diese akzeptiert er ausschließlich Fahrbefehle, Funktionen werden weiterhin über die kurze Adresse in CV 1 bzw. die lange in CV 17 / 18 geschaltet. Unter der normalen Adresse werden dafür keine Fahrbefehle mehr angenommen. Auf diese Weise lassen sich die Funktionen aller Loks in der Traktion weiterhin einzeln schalten (damit die hinteren z.B. nicht mit Licht herumfahren), aber sie fahren nur gemeinsam.

Wichtiger Hinweis: Für die Adresse in CV 19 gelten die gleichen Einschränkungen wie für CV 1. Je nach Zentrale ist der nutzbare Wertebereich 1 - 99 oder 1 - 127. Probiert am besten aus, was für eure Zentrale zutrifft, indem ihr CV 1 auf 100 setzt und diese Adresse am Handregler aufruft. Lässt sich die Lok steuern, dann könnt ihr kurze Adressen bis 127 nutzen. Tut sich nichts, dann interpretiert eure Zentrale Adressen größer 99 als lange Adressen, diese sind dann für die Mehrfachtraktion und CV 1 nicht nutzbar. Am besten lasst ihr die Adressen 100 - 127 generell ungenutzt, um Probleme zu umgehen.

CV 19 bietet eine weitere interessante Funktion an. Da die zu verbindenden Loks möglicherweise in entgegengesetzte Richtungen fahren würden, kann mit dieser CV auch die Richtung einer Lok gedreht werden. Dazu muss zur Traktionsadresse bei der zu drehenden Lok einfach 128 addiert werden. Soll die Traktion z.B. auf die Adresse 10 hören, die Loks fahren aber in unterschiedliche Richtungen, dann behält eine Lok den Wert 10 in CV 19, die andere dagegen bekommt 138 einprogrammiert.

Einige Hersteller bieten weitere CVs an, mit denen eingestellt werden kann, welche Funktionen im Traktionsmodus aktiv sein sollen. Diese werden jedoch nicht von allen Decodern unterstützt, sie sollten daher in der jeweiligen Anleitung nachgeschlagen werden.

Setzt man CV 19 auf 0, wird die entsprechende Lok wieder aus der Traktion entfernt.

Vorteile:

Nachteile:

Variante 2: Mehrfachtraktion per Zentrale

Einige Zentralen bieten auch eine eigene Einstellung zur Bildung von Mehrfachtraktionen an. Das ist beispielsweise bei der ZF5 von Tran der Fall, aber auch bei anderen "besseren" Zentralen. Die Funktionsweise ist hier ähnlich wie bei der Traktion per Decoder, allerdings sendet die Zentrale nicht die Fahrbefehle an eine spezielle Adresse, sondern an alle Loks, die der Traktion hinzugefügt wurden. Wählt man für die Mehrfachtraktion also beispielsweise die Loks 5, 10 und 20 aus, dann werden Fahrbefehle an eine dieser Adressen auch an die anderen beiden Loks geschickt. Funktionen dagegen werden weiterhin ausschließlich an die gewählte Lok gesendet, so dass man auch hier z.B. das Licht für die hinteren Loks deaktivieren kann.

Da auch hier alle Loks stets den gleichen Fahrbefehl erhalten, müssen sie ebenfalls möglichst synchron fahren. Es gelten hier die gleiche Hinweise wie bei der Traktion per Decoder.

Vorteile:

Nachteile:

Variante 3: Mehrfachtraktion per PC-Steuerung

Diese Variante stellt die komfortabelste Lösung dar, bedingt aber, dass ein PC mit einer Steuerungssoftware an der Zentrale hängt. Technisch funktioniert es ähnlich der Variante 2, mehrere Loks werden zusammengefasst und erhalten gemeinsam Fahrbefehle an ihre jeweiligen Adressen. Der große Unterschied ist, dass man je nach Software die Loks einmessen kann, d.h. das Programm weiß, wie schnell jede Lok auf jeder Fahrstufe tatsächlich fährt. So kann jedes Fahrzeug in der Traktion einen individuellen Fahrbefehl erhalten, damit alle Loks möglichst gleich schnell fahren. Das aufwändige manuelle Angleichen der Geschwindigkeiten entfällt und wird von der Software übernommen.

Die Einstellungen zu Mehrfachtraktionen unterscheiden sich natürlich von Programm zu Programm, weitere Informationen sind daher der jeweiligen Anleitung zu entnehmen.

Vorteile:

Nachteile: