Decoder-Shop

Grundlagen des Decodereinbaus

Natürlich ist es schwierig, für jedes mögliche Modell eine Einbauanleitung zu erstellen. Darum möchte ich an dieser Stelle mal einen kleinen Leitfaden mit allgemeinen Informationen und ein paar Hinweisen zu Fallstricken sowie einigen Tipps und Kniffen erstellen.

Ich werde nach und nach noch weitere Bilder nachliefern, damit ihr direkt sehen könnt, was ich meine.

Testen - Immer der erste Schritt!

Bevor man mit dem Umbau losgeht oder auch nur die Lok aufschraubt, sollte man sie zuallererst auf ihre Funktion prüfen. Decoder können zwar einige Mankos überdecken, sie machen aber aus einer humpelnden Ente keine Primaballerina. Zudem erlauben Stromaufnahme, Nebengeräusche und generelles Fahrverhalten (Humpeln, Stocken,...) Rückschlüsse auf möglicherweise vorhandene Problemstellen. Im Extremfall kann man von vornherein eine Digitalisierung als nicht lohnend ausschließen.

N-Fahrzeuge ziehen typischerweise eher wenig Strom. Moderne Fahrzeuge mit LED-Beleuchtung brauchen in der Regel deutlich unter 100 mA, je nach Motor sogar nur < 20 mA. Glühlampenbeleuchtung treibt den Stromverbrauch dagegen in die Höhe, bis zu 50 mA pro Lampe sind möglich. Solche Loks genehmigen sich in Summe dann schonmal über 100 mA. Leider ist es fast unmöglich hier eine Faustregel aufzustellen, da die Vielzahl der Motortypen und der Einfluss der Beleuchtung einen zu großen Bereich abdeckt. Zudem gibt es einige Modelle, bei denen ein hoher Stromverbrauch von > 300 mA normal ist. Manche Loks, wie die V188 von Roco mit ihren zwei Motoren, erreichen sogar beinahe einen Strom von 1 A. Hier muss einfach Erfahrung gesammelt werden, ob der Stromverbrauch einer Lok noch im grünen Bereich liegt oder ob man sich die Sache einmal näher ansehen sollte.

Nebengeräusche sind bei vielen, vor allem älteren, Loks normal. Getriebe aus Metall und / oder zu viel Spiel rasseln oder schnarren oft. Stutzig sollte man werden, wenn das Fahrzeug beim Fahren klickt und dabei ggf. kurz stockt. Dieses Verhalten kann darauf hindeuten, dass ein Zahnrad gerissen ist oder etwas im Zahnrad steckt. Loks mit klemmendem Getriebe sollte man sofort wieder vom Gleis nehmen, um Schäden an Motor und Getriebe zu vermeiden.

Humpeln tritt meist nur bei Loks mit Stangenantrieb auf, hier ist dann meist ein Rad leicht verdreht. Leider lässt sich das nur mühsam korrigieren, besonders wenn die Lok über diese Räder mit angetrieben ist.

Natürlich sind das nur einige wenige mögliche Fehlerbilder, die auftreten können. Für den Anfänger ist es oft nicht ganz leicht den Fehler direkt zu finden, hier hilft es leider nur Erfahrungen zu sammeln. Wichtig ist, dass man auf ungewöhnliches Verhalten der Lok reagiert, den Fehler sucht und behebt und erst danach zur Digitalisierung schreitet. Das hilft Frust und ggf. zerstörte Decoder zu vermeiden.

Vorbereitung

Das A und O ist eine gute Vorbereitung. Legt euch also alle nötigen Werkzeuge gleich zurecht, so dass ihr nicht erst lange kramen müsst. Wichtige Utensilien sind:

  • Lötstation - Gebt im Zweifel lieber etwas mehr Geld aus als zu wenig. Nichts nervt mehr als zu warten, dass das Teil heiß wird.
  • Lötzinn - Je nach Geschmack bleifrei oder bleihaltig, unbedingt mit Flussmittel, möglichst dünn - max. 0,5 mm.
  • Litze oder Kupferlackdraht (z.B. Mayerhofer)
  • kleinen Seitenschneider (zum Ablängen und Abisolieren)
  • Pinzette(n) - Ich verwende dazu SMD-Pinzetten von Conrad, nicht billig, aber die greifen sicher.
  • Multimeter - Spart auch hier nicht zu sehr, ihr werdet es bereuen. Nehmt eins, was einen Durchgangsprüfer hat und dabei piepst. Meine Empfehlung: Voltcraft VC170 (Conrad)
  • kleine Schachteln, z.B. von Decodern - Irgendwo müssen die Kleinteile ja sicher verstaut werden.
  • Skalpell / Teppichmesser - Setzen von Trennstellen
  • und / oder Proxxon, Dremel o. ä. mit Trennscheibe für den gleichen Zweck
  • doppelseitiges Klebeband - Damit lassen sich wunderbar Decoder befestigen.

Je nach Modell braucht man auch mal das ein oder andere zusätzliche Werkzeug, aber als Grundausstattung sollte das genügen.

Grundwissen

Um einen Decoder einzubauen, sollte man ein paar Dinge wissen und beachten.

Die Kabelfarben

Die Farben sind seit vielen Jahren genormt, dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um DCC- oder Selectrix-Decoder handelt. Lediglich Märklin hat hier wieder eigene Vorstellungen. Dies kann sich auch auf Spur N auswirken, da die interne Verkabelung der Loks von Trix mit mehreren Teilplatinen (z.B. MaK 1206) in diesem Farbschema ausgeführt wird - Danke an Gerd Linke für diesen Hinweis!

Kabelfarben nach DCC / NMRA
  • Orange - Motor rechts
  • Grau - Motor links
  • Rot - Gleis rechts
  • Schwarz - Gleis links
  • Weiß - Licht vorn
  • Gelb - Licht hinten

Diese 6 Kabel sind an jedem Decoder mit Drähten vorhanden. Sie sind auch immer gleich belegt. Zusätzlich kann es weitere Kabel geben, allerdings sind die leider nicht alle fest genormt.

  • Grün - Zusatzausgang 1 (AUX1 / FA1)
  • Violett ODER Braun - Zusatzausgang 2 (AUX2 / FA2) - Bitte in der Anleitung schauen, um was es sich handelt. Tran verwendet z.B. Violett, Zimo verwendet Braun. Laut Norm ist Lila die korrekte Farbe.
  • Braun ODER Violett - Lautsprecher - Bitte in der Anleitung schauen, um was es sich handelt. Tran verwendet z.B. Braun, Zimo verwendet Violett.
  • Blau - Decoder-Plus
Kabelfarben nach Märklin
  • Grün - Motor rechts
  • Blau - Motor links
  • Rot - Gleis rechts
  • Braun - Gleis links
  • Grau - Licht vorn
  • Gelb - Licht hinten

Was wohin?

Für einen normalen Umbau (Motor und weißes Spitzenlicht) benötigt ihr nur die ersten 6 Kabel. Man kann durchaus frei wählen, welches Kabel man an welche Seite lötet (also Motor links / rechts an Motor, Gleis links / rechts an Gleis usw.), aber dann kann es passieren, dass z.B. das Licht auf der falschen Seite leuchtet. Das kann man per CV korrigieren, aber die Arbeit kann man sich auch ersparen, indem man es gleich richtig macht.

Bestimmt zuerst, wo bei eurer Lok vorn und hinten ist. Bei Dampfloks fällt das in der Regel nicht schwer, bei Dieseln oder E-Loks schon eher. Falls ihr nicht recherchieren wollt und das Modell keinen entsprechenden Aufdruck hat, legt einfach selbst fest, wo Vorn sein soll. Markiert das am besten mit einem kleinen Punkt auf dem Chassis oder der Platine.

Jetzt, wo wir wissen, was Vorn ist, machen auch die Angaben rechts und links bei den Kabeln Sinn. Diese beziehen sich nämlich immer auf die Fahrtrichtung vorwärts. Beim Motor ist das manchmal etwas schwierig, da der in einigen Modellen mit den Kontakten nach oben und unten eingebaut ist. Hier müsst ihr mit dem Multimeter nachprüfen, an welchem Gleis welcher Kontakt hängt. Der Kontakt am rechten Gleis ist also Motor rechts, der Kontakt am linken Gleis Motor links.

Tipp: Markiert euch die originale Einbaurichtung auf dem Motor, indem ihr mit einem Stift einen Punkt draufmalt. Bei vielen Modellen kann der Motor auch verdreht eingebaut werden, dann fährt das Modell in die falsche Richtung.

Der Einbau

Kommen wir zum Eingemachten: Wie kommt der Decoder ins Modell? Das ist mit der schwierigste Teil, denn um den Decoder einbauen zu können, benötigt man Platz. Viele Modelle fahren eine Menge Luft spazieren, so dass der Einbauraum locker vorhanden ist. Bei anderen sieht's schlechter aus, teilweise muss sogar gefräst werden. Dank immer kleinerer Decoder wird das aber zunehmend überflüssig. Ich persönlich wähle die Decoder gern passend zum Modell aus. Wo viel Platz ist, verwende ich einen großen Decoder, wie einen MX622 von Zimo oder den DH10C von D&H. Bei schwierigen Platzverhältnissen greife ich lieber zu den kleinen Decodern von Tran (DCX76 und DCX76z) oder dem DH05C von D&H. Manchmal entscheidet nur ein halber Millimeter, ob ein Decoder passt oder nicht. Wenn möglich, sollte man dann den Weg des geringsten Widerstandes gehen und einfach einen Decoder verwenden, der in den vorhandenen Raum passt. Alternativ bleibt sonst nur der Fräser.

Hat man einen geeigneten Decoder und Platz gefunden, wird das Modell vorbereitet. Erstes Ziel: Der Motor muss vollkommen vom Gleis getrennt werden, kein Kontakt des Motors darf noch mit dem Gleis verbunden sein. Bei vielen Modellen erreicht man das schon, wenn man die ↑ Drosselspulen auslötet oder abzwickt. Diese Spulen sind Entstörbauteile, die im Digitalbetrieb nicht mehr benötigt werden. Prüft unbedingt mit dem Multimeter nach, ob auch wirklich keine Verbindung mehr besteht, unter "Fallstricke" werde ich noch schreiben warum.

Der nächste Schritt betrifft das Licht. Die Lampen müssen einseitig am Decoder hängen, die andere Seite muss entweder mit dem Gleis verbunden bleiben oder aber isoliert und an das blaue Kabel des Decoders (oder den entsprechenden Lötpunkt) gehangen werden. Bei Modellen mit Glühlampen löst sich das Problem meist von allein. Die Hülse der Lampe steckt im Gleisstrom führenden Chassis und wäre nur mit großem Aufwand zu isolieren. Man trennt dort einfach den hinteren Kontakt vom anderen Gleis und lötet stattdessen das Decoderkabel an. Der Kontakt besteht übrigens aus Lötzinn, also geht das Löten da ganz gut.

Tipp: Bei vielen Modellen ist der zweite Gleiskontakt als ein kleines Federblech ausgeführt, das die Lampe gleich fest in die Fassung presst. Dieses Blech sollte man möglichst erhalten und nicht abschneiden, damit die Lampe weiterhin fest sitzt. Ich stecke dort meist einfach ein Stückchen Schrumpfschlauch drauf und erhitze es mit dem Lötkolben, so ist es sicher isoliert und erfüllt trotzdem weiter seine Funktion. Modelle mit LEDs haben in der Regel schon eine (Löt-) Schnittstelle, deswegen würde ich an dieser Stelle verzichten darauf einzugehen.

Nachdem alles vorbereitet ist, kann der Decoder eingebaut werden. Je nach Platzbedarf müssen evtl. die Decoderkabel ersetzt werden. Zimo z.B. verwendet ziemlich dicke Kabel und die von D&H sind relativ starr. Hier bietet es sich an, die dünne und flexible Litze von Mayerhofer zu verwenden oder im Extremfall sogar Kupferlackdraht einzusetzen. Falls ihr es schwierig findet die Kabel vom Decoder zum Einbauort zu legen, versucht es ruhig auch mal anders herum. Lötet das Kabel zuerst an der Lok an, verlegt es dann zum Decoder und verbindet es. Bei kleineren Decodern ist das Anlöten der Kabel manchmal kniffelig, aber bei größeren Exemplaren sind die Pads in der Regel ebenfalls schön groß.

Tipp: Gerade bei längeren Strecken sind lose Kabel oft ein Ärgernis. Ich verlege sie deshalb meistens nicht frei fliegend, sondern fixiere sie in der Lok. Dabei hat sich UV-härtender Kleber bewährt (z.B. Bondic von Bauhaus, gibt es unter anderen Markennamen auch in anderen Baumärkten). Der Kleber wird aufgebracht, das Kabel wird z.B. mit der Pinzette an seinen Platz gelegt und schließlich mit einer kleinen UV-LED (gibt's zum Kleber dazu) befestigt. Ohne die LED härtet der Kleber nicht aus (bzw. braucht einige Tage, bis der UV-Anteil des Tageslichtes diesen Dienst verrichtet hat).

Fallstricke

Leider gibt es ein paar fiese Fehler, die in der Regel aber den unmöglichen Konstruktionen der Hersteller geschuldet sind. Als Umbauer muss man diese aber unbedingt (er-) kennen und umschiffen.

Nummer 1: Der Motorkontakt

Manche Motoren haben unter einem der Kohlenhalter ein ↑ kleines Blech eingeschoben, das diesen mit dem Gehäuse des Motors und damit auch mit dem spannungsführenden Chassis der Lok verbindet. Dieses Blech muss unbedingt entfernt werden. Also: Zange nehmen und einmal kräftig ziehen. Leider kann man nicht genau sagen, welche Modelle betroffen sind, da diese Bleche scheinbar nur bei einigen Motorchargen eingebaut wurden und darum ein und dasselbe Modell mal mit und mal ohne Blech kommen kann. Angetroffen habe ich sowas bisher bei Fleischmann und Trix, aber das muss nicht heißen, dass es das anderswo nicht gibt.

Eine weitere Variante sind Angüsse am Chassis, die einen der Motorkontakte mit dem Gleis verbinden können, auch wenn man alles andere getrennt hat. Hier hat sich besonders Fleischmann hervorgetan. In der Regel kann man diese Teile einfach mit einer Zange abbrechen und hat das Problem gelöst.

Beide Fallstricke kann man ganz einfach erkennen, wenn man vor dem Decodereinbau nochmal den Motor einbaut und mit dem Multimeter den Durchgang zwischen den Motoranschlüssen und dem Gleis prüft.

Nummer 2: Entstörbauteile

Leider haben viele Hersteller Angst, durch die Prüfungen zur Funkentstörung zu fallen und bauen dadurch irrwitzig große Kondensatoren oder seltsame Schaltungen ein, die das Bestehen sichern sollen. Leider vertragen diese Maßnahmen sich selten mit den Decodern. Zu große Kondensatoren erkennt man leider schlecht, da Aufdrucke meistens fehlen. Im Zweifel sollten Kondensatoren parallel zum Motor daher entfernt werden. Ein kleiner Kondensator allerdings schützt den Decoder vor Störungen des Motors, ich baue daher nach Möglichkeit wieder einen ein. Werte von ca. 10 - 20 nF sind ok. Zu große Kondensatoren können im Extremfall übrigens sogar den Decoder zerstören. Hier ist Hobbytrain ein "üblicher" Kandidat, es finden sich dort auch schonmal Kapazitäten im Bereich von mehreren µF.

In manchen Modellen (meist neuere mit Schnittstelle) finden sich auch ↑ Kondensatoren, die mit einem Anschluss am Gleis und mit dem anderen am Motor hängen. Diese sind ersatzlos zu entfernen.