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Brawa BR242 mit DH10C und verbesserter Stromabnahme

Brawas BR242 hat schon etliche Jahre auf dem Buckel, ist aber immernoch eine recht ansehnliche Lok. Leider ist sie nicht ganz frei von "Bausünden", die die Freude an dem Modell etwas trüben können. Die wichtigste ist sicher die Stromabnahme über die Achslager, die schnell verschmutzen und dann keinen sicheren Kontakt mehr geben. Das gleiche Problem betrifft übrigens auch die V100 und lässt sich genauso beheben.

Zerlegen der Lok

Um das Gehäuse entfernen zu können, müssen zuerst die Puffer abgezogen werden. Danach lässt sich das Gehäuse spreizen und abziehen.

Die Platine wird von drei Schrauben gehalten. Danach werden die Metallspangen an den Seiten entfernt. Sie sitzen oben auf kleinen Nasen, mit einem flachen Schraubendreher lassen sie sich abhebeln. Sie können entsorgt werden, wir brauchen sie nicht mehr, da wir den Strom künftig mit Kabeln auf die Platine bringen werden. Jetzt können wir auch die Platine abheben. Bitte auf die Glühlämpchen aufpassen, nicht dass die aus dem Chassis fallen und auf Nimmerwiedersehen verschwinden!

Jetzt sind die Drehgestelle dran. Sie sind im Chassis eingeklipst, drückt man die Rastnasen von oben zusammen, kann man sie unten herausziehen. Bei der Gelegenheit zerlegen wir auch die Drehgestelle weiter. Die Blenden haben drei Rastpunkte: Einen hinten, zwei weitere vorn, direkt hinter der Kupplungsaufnahme. Sie sind nicht ganz einfach zu sehen, bitte aufpassen, dass nicht versehentlich der Deckel der Kupplungsaufnahme geöffnet wird. Hat man die Blenden entfernt, kann man die Radsätze herausnehmen.

Im Chassis befindet sich noch der Motor. Die Oberseite wird markiert, damit er später wieder richtig herum eingebaut wird. Auf der Unterseite befinden sich die Klipse für die Motoraufnahme, sie werden zusammengedrückt, damit der Motor nach oben herausgezogen werden kann. Die Maschinenteile zwischen den Drehgestellen können eigentlich am Chassis verbleiben, fallen aber gern von allein ab.

Damit ist die Lok erstmal ausreichend ↑ zerlegt.

Reinigung der Lok

Da das Fahrzeug so weit zerlegt ist, sollte die Gelegenheit gleich mal für eine Grundreinigung genutzt werden. Brawa-Fahrzeuge, speziell ältere, sind gern heillos überfettet / überölt. Das hier vorliegende Modell war im Innenbereich ziemlich vollgesaut, selbst im Motor waren Unmengen Öl. Daraus resultierte ein Stromverbrauch der Lok von ca. 500 mA! Nach einer Motorreinigung und dem Entfernen eines Großteils des alten Fetts sank der Strom auf erträglichere 120 mA.

Verbesserung der Stromabnahme

Die Lok hat zahlreiche Schleifer und Kontaktstellen, zusammen mit dem Öl und aufgesammeltem Dreck ergeben sich dadurch schnell Probleme. Von den Rädern wird der Strom über die Achslager, die immer eine Menge Fusseln sammeln, auf Schleiferbleche übertragen, die wiederum auf Bleche usw., so dass an einer Drehgestellseite von der Schiene zur Platine ganze sechs Kontaktpunkte vorliegen. Nach dem Umbau werden es noch zwei sein.

Wir beginnen damit, dass die kleinen Schleifplatinchen auf der Unterseite des ↑ Chassis entfernt werden. Sie sitzen stramm auf den kleinen Stiften und müssen mit etwas Kraft abgehebelt werden.

Danach widmen wir uns den Drehgestellen. Auf dem Kunststoffteil sind die Achslagerbleche mit zwei kleinen verschmolzenen Kunststoffstiften befestigt. Der verschmolzene Teil lässt sich mit einem Skalpell entfernen, danach werden die Bleche ↑ abgehoben und auch das dünne Schleifblech weggenommen. Wir brauchen es nicht mehr. Die Achslagerbleche werden gereinigt und in der Mitte über dem Loch etwas angeschliffen. Mit Flussmittel lässt sich dort leicht eine kleine Lötstelle anbringen. Dort werden gleich die neuen Schleifer ↑ angelötet. Sie bestehen aus dünnem Bronzedraht mit maximal 0,25 mm Dicke (lieber etwas dünner wählen, z.B. 0,22 mm) und nehmen den Strom von der Rückseite des Rades ab. Die Drahtstücken werden zuerst grob abgelängt und in der Mitte verzinnt. Danach lassen sie sich leicht auf die Bleche löten. Mit einem Seitenschneider werden sie nun so gekürzt, dass sie auf beiden Seiten ungefähr auf Höhe der Achslager enden. An den Lötpunkt werden nun noch Litzen angelötet. Es können ruhig farbige Kabel verwendet werden, sie sind mit aufgesetztem Gehäuse nicht zu sehen. Ist das erledigt, werden die ↑ Achslagerbleche wieder eingesetzt und mit dem Lötkolben die beiden Stifte etwas verschmolzen. Sollten sie zu kurz sein, muss das Blech mit Kleber befestigt werden.

Digitalisierung der Lok

Jetzt kann die eigentliche Arbeit des Digitalumbaus beginnen. Da im Zuge der Motorreinigung die Kohlenhalter entfernt werden müssen, können hier gleich Litzen angelötet werden. Das sollte auf gar keinen Fall im eingebauten Zustand gemacht werden, da beim Anlöten der Kunststoff des Motors schmilzt und er im schlimmsten Fall nur noch Schrott ist. Danach kann der Motor wieder zusammengesetzt werden.

Die Lok kann jetzt teilweise ↑ montiert werden. Zuerst werden die Drehgestelle eingesetzt. Danach kann auch der Motor wieder eingeklipst werden.

Alle weiteren Arbeiten spielen sich auf der Platine ab. Diese muss für den Umbau etwas bearbeitet werden. Zuerst werden die Kontaktbleche für die Oberleitung und den Motor entfernt. Die Niete können am einfachsten mit einem Seitenschneider geköpft werden, danach kann man die Reste inklusive der Bleche abziehen. Auch der Umschalter für den Oberleitungsbetrieb entfällt, hier muss einfach das kleine Blech entfernt werden, dann kann man den Kunststoffknubbel herausnehmen. Zuletzt löten wir noch die Dioden aus. Diese bitte nicht wegwerfen, wir brauchen sie noch! Sollte eure Lok einen Kondensator auf dem Feld C1 enthalten, entfernt auch diesen. Die Platine sollte jetzt aussehen wie auf dem ↑ Foto.

Nach dem "Abernten" der Bauteile kann die Platine wieder aufs Chassis geschraubt werden. Beachtet bitte, dass sie nur in einer Richtung passt. Der Decoder wird an die Stelle geklebt, an der früher der Blechkontakt zur Oberleitung war, die Seite mit dem ehemaligen Umschalter bleibt leer! Achtet bitte auf eine ausreichende Isolierung des Decoders. Die Kabel von den Drehgestellen können jetzt an der Platine angelötet werden. Wir nutzen dazu die Kontaktflächen, an denen früher die Blechfedern eingehangen waren. Achtet darauf, dass die Kabel lang genug sind, um den Drehgestellen die Auslenkung zu gestatten! Jetzt können auch die Kabel vom Motor durch die Löcher in der Platine nach oben gezogen und mit dem Decoder verbunden werden. Die Kabel fürs Gleis werden erst am Decoder, dann an geeigneten Punkten der Platine angelötet. Das ↑ Foto zeigt meine Lösung. Zum Schluss werden noch das weiße und das gelbe Kabel an die Glühlampen gelötet.

Durch das Entfernen des Schalters für den Oberleitungsbetrieb haben wir auch das Chassis stromlos gemacht, im momentanen Zustand funktioniert also das Licht nicht. Die einfachste Möglichkeit wäre eine kleine Drahtbrücke zu einer Gleisseite, allerdings ist das Licht dann extrem funzelig. Eine andere Lösung wäre der Anschluss des Decoder-Pluspols. Das ist aber nicht ganz ohne Risiko, sollte aus irgendeinem Grund das Chassis mal Verbindung zum Gleis bekommen, kann der Decoder zerstört werden. An dieser Stelle kommen die beiden geborgenen Dioden ins Spiel, aus ihnen bauen wir uns einfach einen neuen Pluspol aus beiden Gleisen. Dazu nutzen wir die Kontaktflächen rund um den ehemaligen Oberleitungsumschalter. Das ↑ Foto zeigt, wo die Dioden angelötet werden müssen. Beachtet bitte die Lage der Markierungen auf den Dioden! Vor dem Löten sollten die Beinchen der Bauteile etwas nach unten gebogen werden, damit sie Kontakt zur Platine bekommen.

Fertigstellung der Lok

Im jetzigen Zustand kann die Lok schon getestet werden. Bevor das Gehäuse aufgesetzt wird, sollte noch der Blechstreifen im Innern entfernt werden. Er wird nur für den Oberleitungsbetrieb gebraucht und bildet so nur ein unnötiges Risiko eines ungewünschten Kontaktes. Außerdem lässt er sich ggf. für andere Projekte gebrauchen, z.B. als Kontaktfläche o.ä. Damit ist die Lok ↑ fertig!

Wie immer geschieht der Nachbau auf eigene Gefahr. Ich wünsche viel Erfolg und viel Spaß!