Decoder von Tran, Zimo, D&H

Fleischmann BR118 fahrbereit machen

Im Sommer 2019 erschien die lang ersehnte BR118 von Fleischmann. Optisch ist die Lok ausgesprochen gut gelungen, allerdings zeigten sich rasch einige fertigungstechnische Mängel. Diese möchte ich hier inklusive der Lösungsmöglichkeiten vorstellen. Für die Bebilderung dieses Berichts wurde ein zweites Exemplar der Lok angeschafft, wobei sich einige Forenmitglieder des 1zu160-Forums mit einer Spende beteiligt haben. Falls Du, lieber Leser, auch ein paar Euro beitragen möchtest, würde ich mich über eine kurze Kontaktaufnahme freuen.

Vielen Dank an Dieter Noteboom, Jens Seemann, Stefan Rumberg und Karsten Friedrich!

Folgende Probleme treten bei den Loks offenbar gehäuft auf:

  1. hemmungslose Überfettung
  2. bei der sechsachsigen Variante drehen sich oft die mittleren Achsen nicht mit
  3. an den Drehgestellen haben sich bei der Fertigung "Schwimmhäute" gebildet, die teilweise die Zahnräder klemmen
  4. in den Drehgestellen haben zwei Zahnräder zu viel Spiel, was zu knarzenden Geräuschen und Klemmen führen kann
  5. der Motor ist sehr laut
  6. die Stromabnahme ist nicht sehr zuverlässig
  7. bei manchen (allen?) Modellen funktioniert die Führerstandbeleuchtung einseitig nicht
  8. (optional) Einbau von Sound

Überfettung

Das erste Problem, was einem nach dem Öffnen der Lok sofort ins Auge sticht, ist der massenhafte Einsatz von Fett im Getriebe. Die Hohlräume wurden mit einer mehr als ordentlichen Portion davon gefüllt, was einfach zu viel des Guten ist. Da Fleischmann in der Vergangenheit kein gutes Händchen für Schmiermittel bewiesen hat und manche Lok durch verharztes Öl regelrecht festgegangen ist, sollte das Zeug besser entfernt werden.

Das überschüssige Fett wird zuerst mit einem Zahnstocher herausgekratzt, die Rest bekommt man weg, indem die Drehgestelle zerlegt und in SR24 eingelegt werden. Die Räder müssen dazu unbedingt ausgebaut werden, da die Haftreifen das Bad nicht mögen und labberig werden. Nach etwa 20 Minuten sollte das Fett in Flöckchen im SR24 schwimmen. Ich habe die Teile bei mir etwa 1 - 2 Stunden drin gelassen und immer wieder geschüttelt. Speziell in den Zwischenräumen der Zähne bleiben meist ein paar Reste zurück, die sollten aber nicht weiter stören und können bei Bedarf mit einer alten Zahnbürste entfernt werden.

Feste Mittelachsen

Die mittleren Achsen der 118 sind leider nicht angetrieben, sie sollen nur lose mitlaufen. Leider wird das durch fertigungstechnische Mängel oft verhindert. Direkt hinter der Radscheibe sitzen die Befestigungsnippel der Schleiferbleche, die Bleche werden bei der Herstellung einfach aufgesteckt und die Nippel mit einem heißen Stempel plattgedrückt und so verschmolzen. Leider hat das mit dem Verschmelzen aber nicht so ganz geklappt, die Nippel stehen noch zu weit raus und klemmen so zwischen den Rad-Innenflächen, dass sich nichts drehen kann.

Im Bild sind die Befestigungen markiert. Gut zu erkennen ist, dass beim linken Teil das Werkzeug zum Verschmelzen nicht mittig aufgesetzt wurde und eine deutliche Ecke heraussteht. Solche Fehler gab es bei meinen beiden Fahrzeugen.

Die einfachste Lösung ist, die Nippel mit einem Lötkolben weiter zu verschmelzen. Hier sollte man vorsichtig zu Werke gehen, damit das Drehgestell keinen Schaden nimmt. Alternativ kann man die Köpfe auch ein bisschen abfeilen. Danach muss man aber trotzdem nochmal kurz zum Lötkolben greifen, damit die Schleifer nicht abfallen können. Hinter einem der angetriebenen Räder sitzt ein weiterer Nippel, den man bei der Gelegenheit genauso bearbeiten sollte. Danach sollten die Achsen schon wesentlich besser mitlaufen.

Hin und wieder wird empfohlen, auch den "Kragen" der Isolierbuchse etwas dünner zu machen. Bei meinen Fahrzeugen war das nicht unbedingt nötig, die Achsen hatten auch so ein wenig Seitenspiel.

Schwimmhäute am Drehgestell

Schwimmhäute am Drehgestell Schwimmhäute am Drehgestell

Auch in den Achslagern sind Schwimmhäute zu finden, die den Lauf hemmen. Ich habe versucht, sie mit einer Feile zu entfernen, durch den weichen Kunststoff ist es aber besser, ein Skalpell dafür zu verwenden.

Schwimmhäute nennt man kleine Gussgrate an den Kanten von Spritzgussteilen. Sie entstehen, wenn bei mehrteiligen Formen die Einzelteile nicht perfekt dicht aufeinanderliegen, beim Fertigungsprozess wird dann Kunststoff in diese Spalten gespritzt. Normalerweise ist das eher ein optisches Problem, bei der 118 jedoch finden sich diese Grate auch an den Fenstern für die Zahnräder auf der Unterseite der Drehgestelle. Sie sind dort teils so deutlich ausgebildet, dass die Zahnräder nicht frei drehen können, sondern zwischen den Schwimmhäuten klemmen. Im Foto ist deutlich zu erkennen - Eigentlich sollten beide Öffnungen gleich groß sein. Mit einem Skalpell kann man die Überstände vorsichtig entfernen.

Ein weiteres Problem mit den Schwimmhäuten betrifft die Löcher für die Rastnasen der Drehgestellblenden. Durch die Grate greifen die Nasen nicht richtig ein. Im Ergebnis wird die ganze Blende etwas in die Länge gezogen, die Seiten wölben sich nach innen und klemmen die Achsen ein. Auch hier sollten die Grate entfernt werden. Außerdem sollte man beim Zusammenbau der Drehgestelle immer nochmal vorn und hinten kräftig drücken, um die Blende richtig fest auf die Rastnasen zu schieben.

Auch in den Achslagern können solche Schwimmhäute zu finden sein, sie klemmen dann die Achsen leicht ein. Auch die sollten vorsichtig mit dem Skalpell weggekratzt werden. Achtet aber unbedingt darauf, die Achslager nicht weiter auszuarbeiten. Es dürfen wirklich nur die Schwimmhäutchen entfernt werden!

Zahnräder mit zu viel Spiel

In den Drehgestellen stecken für jede Achse zwei Stufenzahnräder. Die beiden mittleren sind dabei recht passgenau und lassen sich auf ihrer Achse nur minimal verschieben. Die beiden äußeren jedoch haben viel Spiel und können sehr weit nach rechts und links rutschen. Im ungünstigsten Fall kommt der kleine Zahnkranz des äußeren Rades an den großen Kranz des mittleren und kann leicht eingreifen. Dann blockiert das Drehgestell. Auch während der Fahrt können sich die Zahnräder berühren, man hört dann ein leises knarzendes Geräusch. Langfristig befürchte ich Schäden durch diesen Umstand.

Betroffen sind die jeweils äußeren Zahnräder in jedem Drehgestell. Sie sind mit einer Achse mit 1 mm Durchmesser im Drehgestell befestigt, diese Achse lässt sich z.B. mit einer Nadel leicht herausdrücken. Leider hat Fleischmann das Zahnrad mit einer Art Kragen versehen. Dieser Kragen liegt aber nicht direkt an der Achse, sondern weiter außen, was den Einsatz von kleinen Unterlegscheiben als Abstandshalter erschwert. Zur Lösung des Problems hatte ich mir bei der Firma Fohrmann passende kleine U-Scheiben geordert. Durch den Kragen müssen pro Zahnrad zwei dieser Scheiben verwendet werden. Die Scheiben sind nicht perfekt flach, sondern ein klein bisschen gewölbt, wohl durch die Fertigung. Man sollte sich immer zwei heraussuchen, die zusammen minimal über den Kragen herausstehen, wenige Zehntel-Millimeter reichen dazu. Damit die Scheiben beim Einsetzen des Zahnrades nicht gleich wieder heraushopsen, kann man sie mit einem kleinen Tröpfchen Fett ans Zahnrad heften. Danach wird das Zahnrad wieder eingesetzt und mit der Achse fixiert.

Lauter Motor

Fleischmann hat in der 118 einen neuen 5-poligen Motor verbaut. Zumindest bei meinen Exemplaren ist der aber sehr schwergängig und hat ein hohes Rastmoment. Er ist sehr laut und lässt die Lok nicht besonders gut fahren. Abhilfe schafft bei mir der Einsatz des 0816-2-Motors. Problematisch sind die überlangen Wellen, ich habe mir hier Wellenadapter von SB-Modell in 30 mm Länge besorgt. Leider ist das Anbringen der Röhrchen aber nicht ganz einfach, die Motorwellen sind minimal zu dick. Bei meinem Exemplar habe ich die Motorwelle vorsichtig etwas abgeschliffen. Allerdings birgt das ein hohes Potential für Schäden. Da solche langen Wellen auch für andere Umbauten benötigt werden, werde ich entsprechende Adapter fertigen lassen.

Mit dem Glockenankermotor fährt die Lok jedenfalls wunderbar und sehr leise. Fleischmann hat das Getriebe auch sehr gut untersetzt, bei 15 V und voll "aufgedrehtem" Decoder erreicht das Fahrzeug ca. 106 km/h. Vmax war beim Vorbild zwar 120 km/h, aber ich kann mit dem kleinen Unterschied leben.

Unzuverlässige Stromabnahme

Stromübertragung über Litzen Anbringung der Litzen an den Kontaktblechen

Beim Anlöten der Litzen an die Schleifer muss darauf geachtet werden, dass die Lötstelle später zwischen den Rädern liegt. Hinter der Radscheibe würde sie sonst zu dick auftragen und die Räder wieder klemmen. Knapp neben dem Schleifer der Mittelachse angelötet passt es einwandfrei.

Die Lok überträgt den Strom vom Drehgestell auf die Platine über zwei kleine Schleifer. Die Konstruktion ist leider ziemlich anfällig, weil die Bleche teilweise frei in der Luft hängen und dabei sehr "lawede" sind. Zu allem Überfluss sind beide auch noch sehr nahe beisammen, was Berührungen und damit Kurzschlüsse wahrscheinlich macht. Ich habe daher diese Bleche entfernt und stattdessen Litzen angelötet, die dann an den Halteklammern der Platine angebracht sind. So lässt sich die Lok immernoch sehr leicht zerlegen, ohne dass man den Lötkolben schwingen muss.

Führerstandsbeleuchtung

Bilder folgen noch

Nachdem bereits meine Lok einseitig eine nicht funktionierende Führerstandsbeleuchtung hatte, häufen sich inzwischen die Hinweise, dass das ein Serienfehler ist. Der wahrscheinlichste Grund ist ein Bestückungsfehler auf der Platine. Die Lichter werden über die zu Funktionen umkonfigurierten SUSI-Ausgänge angesteuert. Da diese unverstärkt sind, hat Fleischmann zwei Transistoren zum Verstärken vorgesehen, allerdings unterscheidet sich der Aufdruck des einen von dem des anderen. Wahrscheinlich wurde hier also ein falsches Bauteil verwendet. Ersetzt man dieses gegen einen geeigneten Transistor, funktioniert auch das Licht im Führerstand. Im 1zu160-Forum wurde berichtet, dass der BSS123 im SOT-23-Gehäuse passt. Da ich keine Bauteile im richtigen Gehäuse hatte, habe ich bei mir einen FDC6561AN verwendet. Beide sind NFETs, der BSS123 kann direkt auf die vorhandenen Lötpads gesetzt werden, der FDC6561AN musste mit Lackdraht verkabelt werden.

Soundeinbau

Da die Lok über eine Next18-Schnittstelle und einen Einbauraum für den Lautsprecher verfügt, ist der Einbau von Sound nicht weiter schwierig. Man benötigt allerdings eine passende Schallkapsel, die eine kleine Aussparung für die Schnecke hat. Ich habe so eine Kapsel entworfen und gedruckt, sie ist auch über mich erhältlich.

Der Lautsprecher wird einfach auf die Kapsel geklebt und bekommt zwei kurze Litzen. Diese werden dann einfach an die Kontaktflächen der Platine gelötet. Ich habe versucht, den Platz optimal zu nutzen, der Lautsprecher klemmt dadurch unter der Platine und muss nicht zusätzlich befestigt werden.